Seebronner Erzählen
Erzählnachmittage oder -abende zu denen wir einladen. Dazu geben wir gerne ein Thema bzw. Schwerpunkt vor. Unsere Gäste erzählen hierzu in gemütlicher Runde Geschichten hierzu, erläutern Details, bringen teilweise Fotos mit.
In Karins Scheune - Ohrenschmaus 06.09.2018
Ohrenschmaus am Donnerstagabend im September. Unsichere Witterungsverhältnisse führen dazu, dass die etwa dreißig Interessierte in der schönen Scheune von Karin Weiß Platz nehmen, um sich vorlesen zu lassen.
Den Anfang macht unsere Ortsvorsteherin Ute Hahn. Sie liest aus dem Roman „Herr Katō spielt Familie“ von Milena Flašar. In gut ausgewählten und gefühlvoll gelesenen Episoden macht sie neugierig auf den Ruheständler Herrn Katō, der sich von der Agentur »Happy family« mal als Opa, mal als Exmann, dann wieder als Vorgesetzter engagieren lässt.
Nach einer Pause setzt sich Joe Herbst auf den Lesesessel. Mit seinem ausdrucksstarken, schon theatralischen Vortrag erweckt er zwei ältere Texte zum Leben. Er liest von Kurt Tucholsky „In der Hotelhalle“ und von Heinrich Böll „Es wird etwas geschehen.“ Das Publikum hat seine Freude daran, so dass sich später jeder vergnügt auf den Heimweg begeben kann.
Unterm Vordach gibt es in der Pause Erfrischungen. Unsere Gäste stärken sich für den zweiten Teil des Vorleseabends.
Musikalisch umrahmt hat den schönen Abend eine 5-köpfige Combo aus Jungmusikern des Musikvereins Seebronn um Kay Kieferle.
Volles Haus in Rubiks Scheune - Ohrenschmaus 12.09.2019
Selten sind oder waren Scheunen so mit Menschen gefüllt wie letzten Donnerstag die Scheune von Familie Rubik. Schön hergerichtet bot sie, trotz den kühlen Temperaturen, eine heimelige Atmosphäre für unseren Leseabend.
Mehr als ein Leseabend, sondern ein Ohrenschmaus, verspricht bereits der musikalische Auftakt mit Trompetenklang der jungen Musiker um Kai Kieferle. Sichtlich mit Freude werden danach knapp 50 Zuhörerinnen und Zuhörer begrüßt.
Auf dem Lesesessel, hinter der Leselampe und vor dem (so dekorierten) Kaminfeuer, sitzt zuerst Horst Baur. Er, ein Seebronner Kind, weilte über 20 Jahre im Rheinland (Köln/Neuß), ist seit kurzem wieder hier und engagiert sich beim Projekt Dorfladen. Von ihm sind zwei eigene Beiträge und eine Geschichte der Schriftstellerin Ulla Hahn zu hören – mit Passagen im rheinischen Slang.
Nach einer kurzen Pause nimmt Frauke Grammer die Vorlese-Position ein. Frauke Grammer, kein Seebronner Kind aber mittlerweile fast 30 Jahre am Ort, seit 25 Jahren mit ihrem Frisörgeschäft sehr gut in Seebronn etabliert und bekannt. Frauke Grammer bietet keine Geschichten oder Gedichte von Sebastian Blau, dem regionalen Mundart-Dichter. Sie tritt auf als Frauke Grün. Das bedeutet: Wohlgereimtes zu und über Seebronn. Das Leben am Ort, Vereine, Natur, Gesellschaft, Feste und Ereignisse finden sich in vielen schönen gereimten Versen – pointiert, wohlgemeint, manchmal auch kritisch. Mann und Frau hören ausgezeichneten Stoff über unseren Heimatort und das wunderbar aufbereitet. Das hätte Sebastian Blau nicht so gekonnt.
Mit Dank und kleinen Geschenken an Frauke und Horst, an die Trompeter Fabian, Kay, Simon, Steffen sowie an Hausherrin und Hausherr Susanne und Thomas endet ein schöner Abend, mit Geschichten und Klängen, die gerne in unseren Ohren und Sinnen nachhallen dürfen.
Beim Nussbaum in der Wehrgasse - Ohrenschmaus 10.09.2021
Leben und lesen lassen … (nach Corona) den Abend genießen und wieder ein bisschen schwätzen mit netten Nachbarn. So kann man den Leseabend mit knapp 30 Gästen zusammenfassen.
Die musikalische Ouvertüre vom Klarinettentrio Lea Elsässer, Kathrin Schmid und Elena Werz erfreut das Publikum und stimmt wohlwollend auf den weiteren Verlauf des Abends ein.
In diesem Jahr lesen Sonja Girbinger und Stefan Weiß. Sie bieten zwei ganz unterschiedliche Texte.
Stefan Weiß liest einige Passagen aus dem Buch „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling. Er beschreibt seine Reise auf dem Jakobsweg – der übrigens auch durch Seebronn geht – und beschäftigt sich auf seiner Pilgerreise mit den großen Fragen des Lebens: den Fragen nach Gott, dem Sinn und dem Glück. Stefan Weiß hat die Stellen klug ausgewählt. Sie lassen den Humor und die Selbstironie des Autors lebendig werden und die Zuhörerinnen und Zuhörer schmunzeln
Sonja Girbinger trägt Passagen aus dem heiter-ironischen Roman von Karin Kalisa „Sungs Laden“ vor. Der Roman spielt in Berlin und beschreibt, wie sich aus einem harmlosen Grundschul-Projekt zur Völkerverständigung eine traumhaft-utopische Verwandlung im Bezirk Prenzlauer Berg entwickelt. Vietnamesische Kegelhüte und Seidenkleider werden zu Sinnbildern für die Annäherung an fremde Kulturen. Die Vorleserin erntet für die humorvoll und lebendig vorgetragenen Textstellen viele Lacher.
Zwischen den Beiträgen wird der Ohrenschmaus durch sanft perlende Erfrischungen und muntere Gespräche an dem lauen Spätsommerabend ergänzt.
Mit kleinen Präsenten an die Akteure sowie einem Dank an die Helferinnen und Helfen sowie an den Muskverein für die Beistellung des Equipments endete der schöne Abend.
In der Scheune von Ludwig - Ohrenschmaus 15.09.2022
Für die geräumige Scheune war es ein Novum – für die dreißig Zuhörer eine bekannte und beliebte Abendunterhaltung am Ende des Sommers.
Der diesjährige Ohrenschmaus fand in der Scheune von Ludwig Wellhäuser in der Hindenburgstraße statt.
Der erste Vorleser war Peter Maihöfer. Er las aus dem Buch Hippokrates im Heckengäu. Aufzeichnungen eines schwäbischen Landarztes von Gerhard Vescovi. Die vom Vorleser ausgewählten Kapitel beschreiben hintergründig die menschlichen Schwächen eines dörflichen Menschenschlags in den 50er Jahren, der durchaus in einigen ländlichen Gegenden noch überlebt haben könnte. Es trug zur Unterhaltung bei, dass die Texte mitunter schlüpfrige Stellen enthielten, was sich im Schwäbischen immer gut hören ließ.
Den zweiten Text des Abends trug Manuela Beck vor. Das autobiographische Buch von Tommy Krappweis Das Vorzelt zur Hölle schildert Campingurlaube in den 70er Jahren. Diese Camping-Reisen gingen damals ins „Jugoskorsikalawienland“ oder anderswohin – vom Autor gehasst, von seinen Eltern geliebt. In den gut ausgewählten Kapiteln wurden die kleinen und größeren Katastrophen so anschaulich beschrieben, dass sich bei einigen Zuhörerinnen Déjà-vus einstellten. Der besondere Reiz des Textes bestand zudem darin, dass sowohl der Sohn als auch sein Vater zu Wort kommen und ihre ganz unterschiedlichen Sichtweisen der damaligen Geschehnisse schildern.
Musikalisch umrahmt wurden die Lesungen von Patrick Fuhrer. Er stimmte mit ruhigen Stücken das Publikum gefühlvoll auf die Texte ein. So entstand eine konzentrierte vom Alltag los gelöste Atmosphäre in der Kulturscheune.
Das Versprechen “Einen schöner Abend am Ende des Sommers zu erleben, sich zurücklehnen und unterhalten zu lassen, in ganz besonderer Atmosphäre zu genießen”, konnte eingehalten werden!
Vielen Dank an alle Beteiligten für ihre Unterstützung – auch an den Musikverein, ohne dessen technische Ausrüstung diese Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre.
Überwätligender Zuspruch im Werkstatt-Cafe - Ohrenschmaus 07.09.2023
Für den diesjährigen Ohrenschmaus traf man sich, nicht wie sonst in einer Scheune, sondern im (noch nicht eröffneten) neuen Werkstatt Café in der Freudenstädter Straße. Die beiden Gastgeber Horst Baur und Frank Bufler haben aus der Autowerkstatt einen coolen Ort zum Treffen und Feiern gemacht. Die gelungene Mischung aus neuer Gestaltung und originalen Werkstattutensilien hat großstädtisches Niveau und wirkt sehr ansprechend. Der Einladung zum Leseabend folgten etwa 60 Zuhörerinnen und Zuhörer … und sie kamen auf ihre Kosten.
Den Anfang machte Rita Egger mit Prosa-Miniaturen aus Elke Heidenreichs Buch: „Männer in Kamelhaarmänteln“. Die Texte drehten sich um das Thema Kleidung und was sie bei den unterschiedlichen Menschen bewirken kann. Ob man im Hoodie mit aufgezogener Kapuze im warmen Café sitzt oder den teuren Kamelhaarmantel zur Selbstdarstellung nutzt, immer ist Mode mehr als nur Bekleidung. Rita Egger brachte in ihrem Vortrag den ironisch-kritischen Stil von Heidenreich sehr deutlich zum Ausdruck. Eine Premiere war die Lesung zweier eigener Texte, die sich nahtlos anfügten. Die biographische Erzählung über die frühere Bedeutung der Kleider für den sonntäglichen Kirchgang dürfte bei vielen Anwesenden Erinnerungen an die eigene Jugendzeit hervorgerufen haben. Der zweite Text schilderte mit feinen Beobachtungen Geschehnisse, die sich beim Festival Rock of Ages zugetragen haben. An den älteren Herrn im Lendenschurz und andere Besucher des Liederkranz Kuchenstandes schienen sich einige Zuhörer und Zuhörerinnen gut zu erinnern.
Als zweiter Vorleser setzte sich an diesem Abend Jens-Uwe Kloske auf den Stuhl. Er begann mit Gedichten von Theodor Kramer (1897-1958). Die Texte dieses österreichischen Lyrikers wurden nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich auf die Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums gesetzt. Die ausgewählten Gedichte beschrieben mit klarer Sprache das Leid und die Bitterkeit von Exil und Arbeitslosigkeit. Der Vortrag von Gedichten ist nicht einfach. Dem Vortragende gelang es mit seiner professionellen Lesart eine aufmerksame und gespannte Atmosphäre zu schaffen. Einige Gedichte von Theodor Kramer wurden in den 70er Jahren von der Gruppe Zupfgeigenhansel vertont. Zu dieser Zeit sang auch Ulrich Roski (1944-2003) seine Lieder. Von ihm folgten nun drei Texte, die einen humorvoll-lakonischen Ton anschlugen. Mancher hat die Texte von „Selbst ist der Mann“, „Alternativer Quark“ oder „Des Pudels Kern“ noch im Ohr, schafften es die Lieder doch einmal bis in die Hitparaden. Ein Wiederhören auf YouTube macht Spaß.
Der Abend endete mit viel Applaus für die Vorlesenden und die anregenden Texte. Ein herzlicher Dank geht an Rita Egger und Jens-Uwe Kloske. Dank auch an die beiden Gastgeber und den Musikverein, der das technische Equipment zur Verfügung stellte.
Freuen wir uns auf den nächsten Ohrenschmaus.
Mehr als ein Ohrenschmaus ... - Ohrenschmaus 05.09.2024
… es war dieses Jahr auch ein kleiner Gaumenschmaus. Aber der Reihe nach:
Am letzten sonnig-warmen Spätsommertag dieses Jahres versammelten sich 35 Menschen im Hof der Wehrgasse 7. Nach der Begrüßung durch Peter Maihöfer gaben Michaela Hahn mit Saxophon und Ludwig Wellhäuser mit Tenorhorn einen lebhaften Auftakt.
Mit dem ersten Lesetext, vorgetragen von Susanne Rubik, wurde es dramatisch und skurril-schwarzhumorig. Die Zuhörenden, lauschten gebannt, zunächst erschreckt, dann zunehmend belustigt der Geschichte „Gelée Royale“ von Roald Dahl.
In der Pause probierten einige das Gelee, das in der Geschichte über einen besonderen Imker so wundersame Kräfte entfaltet hatte. Dazu gab es natürlich Bier, Sekt und Selters und viele Gespräche, es summte wie in einem Bienenstock. Die Pause wurde mit Musik schmissig beendet und dann wurde es ernst.
Aus dem Band „Verbrechen“ des Strafverteidigers Ferdinand von Schirach las Thomas Rubik die Geschichte über das Leben eines Arztes, der großes Leid ertrug und noch größere Schuld auf sich lud. Für einen lauen Sommerabend war der Stoff ziemlich ernst, hatte sich aber tatsächlich so zugetragen. Die Zuhörenden waren zunächst irritiert und ergriffen – blieben aber gespannt dabei, wie beim „Tatort“.
Mit zwei Liedern des Bläserduos endete der Abend endete der Abend vergnüglich, so dass alle angeregt plaudernd den Heimweg antreten konnten.
Ein Ohrenschmaus unseres Vereins, der vollständig aus eiger Kraft gestemmt wurde: Vorleserin und Vorleser, musikalische Begleitung und Moderation. Vielen Dank an Susanne, Thomas, Michaela und Ludwig sowie an Peter für die Moderation.
Mit Tuba und Miau - Ohrenschmaus 11.09.2025
Wie in den vergangenen Jahren, ließen sich wieder zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer diesmal an einen besonderen Ort in Seebronn locken, um Literatur zu genießen. Der Ort: Bürgertreff A18; die Lesenden: Franziska Renner und ihr Vater Bernhard Renner
Bernhard Renner startete mit dem Buch Kein Aufwand von Andreas Martin Hofmeir. Hofmeier ist ein exzellenter Tubaspieler und Mitbegründer der Blasmusikgruppe LaBrassBanda. Er erzählt in dem Buch mit köstlich komischen Geschichten und Anekdoten seinen Weg zur Tuba, die Bernhard Renner kongenial vortrug. Leitmotivisch kam immer wieder die große Einsicht: Tubist wird man, weil man für ein anspruchsvolles Instrument keinen Ehrgeiz hat.
Den zweiten Text des Abends trug Franziska Renner vor. Sie las pointiert Episoden aus Hape Kerkelings Buch: Pfoten vom Tisch! Meine Katzen, andere Katzen und ich.
Der kleine Hans-Peter sollte nach dem frühen Tod seiner Mutter einen Hund als Gefährten bekommen – was er vehement ablehnte – und damit sein Cat-Coming-out hatte. Tragikomisch wie die Großeltern vermeintlich Hans-Peters Katze, die während seiner Abwesenheit in den Ferien, vor Kummer verhungerte, begruben und wie dann das echte Peterle vom zurückgekehrten Hape wieder angelockt wurde.
Wir denken man kann erahnen, dass an diesem Abend viel gelacht wurde.
Anders als in allen bisherigen Ohrenschmäusen gab es keine vorgetragene Musik – die Zuhörerinnen und Zuhörer wurden selbst aktiv. Mit dem Kanon Oh, wie wohl ist mir´s am Abend wurde die Veranstaltung eröffnet und mit dem Lied Der Mond ist aufgegangen beendet. Die etwa fünfzig Gäste ließen sich willig darauf ein.
Mit herzlichem Dank an den Verein Zuhause in Seebronn für die Überlassung der schönen Räumlichkeit und dem Musikverein für die Technik bendete man den schönen Vorleseabend.